Klimaschutz gemeinsam mit der Industrie angehen

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Die Industrie am Mittleren Niederrhein war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Impulsgeber für die gesamte Wirtschaft in der Region. Doch wie ist die Stimmung in den Industrieunternehmen und den Branchen des Verarbeitenden Gewerbes? Vor welchen Herausforderungen stehen die Betriebe? Um sich davon ein Bild zu machen, hat die Industrie und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein die Bedeutung und internationale Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts analysiert.

„Unsere Untersuchung bestätigt wieder einmal den großen wirtschaftlichen Stellenwert der Industrie für unsere Region“, erklärt IHK Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Aber es wird auch deutlich, dass nun von der Politik wichtige Grundvoraussetzungen für die weitere Zukunftsfähigkeit des Industriestandortes geschaffen werden müssen.“ Für die Ergebnisse hat die IHK amtliche Statistiken ausgewertet und rund 300 Industrieunternehmen aus Krefeld und der Region nach ihrer Standortbewertung gefragt.

19,3 Prozent der Beschäftigten in der Region arbeiten demnach im Verarbeitenden Gewerbe. Sie sind für rund 20 Prozent der Wertschöpfung verantwortlich. „Damit leistet unsere Industrie einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Wohlstand unserer Region“, so Steinmetz. „Das ist jedoch nur der direkte Beitrag. Zusammen mit dem indirekten Beitrag, der durch die Verflechtung der Industrie in die regionalen Wertschöpfungsketten zusätzlich entsteht, dürfte der Einfluss der Industrie noch einmal größer sein.“ Dabei ist die Industrie am Mittleren Niederrhein mit einem Anteil der Auslandsumsätze von 52 Prozent an den Gesamtumsätzen deutlich exportstärker als die Industrie in NRW im Durchschnitt.

In Krefeld arbeiten 25 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe. Krefeld ist besonders durch die Chemieindustrie sowie die Metallerzeugung und -bearbeitung geprägt. Allein in der Chemieindustrie arbeiten 7 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Krefeld. Damit ist der Anteil rund vier mal größer als der Beschäftigungsanteil dieser Branche in NRW.

Die Ergebnisse der IHK Unternehmensumfrage zeigen, welche Standortbedingungen nötig sind, damit die Industrie weiterhin als starker Impulsgeber in der Region wirken kann. Aus der Sicht der Unternehmen sind die drei wichtigsten Standortfaktoren für die internationale Wettbewerbsfähigkeit die Verfügbarkeit digitaler Infrastruktur, die Energieversorgungssicherheit und die Höhe von Steuern und Abgaben.
„Die Digitalisierung ist demnach auch im Verarbeitenden Gewerbe von herausragender Bedeutung“, so Steinmetz. Bei der digitalen Infrastruktur vergeben die Industriebetriebe jedoch auf einer Schulnotenskala im Schnitt die Note 2,90 für die Wettbewerbsfähigkeit dieses Faktors. „Gemessen an der Bedeutung zeigt sich hier deutlich Verbesserungspotenzial. Es sind weiterhin erhebliche Investitionen in die digitale Infrastruktur notwendig.“

Einen ähnlich großen Stellenwert hat die Energiesicherheit für die Industrie. Diesen Faktor bewerten die Unternehmen positiv mit der Durchschnittsnote 2,17.
„Dies zeigt, dass die Industriebetriebe die Energieversorgung aktuell als sicher empfinden“, sagt Steinmetz. „Dieser Status-Quo muss aber mindestens erhalten werden.“ Dass bei der Energiepolitik dennoch Handlungsbedarf besteht, wird vor allem bei der Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit der Energiekosten deutlich. Die Durchschnittsbewertung von 3,37 deutet auf einen klaren Wettbewerbsnachteil hin. „Insofern ist es gut, dass der Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien der Wirtschaft wettbewerbsfähige Strompreise zusagt und ein Ende der Finanzierung der EEG-Umlage über den Strompreis zum 1. Januar 2023 vorsieht.“

Die Bewertung von Steuern und bürokratischen Belastungen zeigt, dass die Faktoren in diesem Themenfeld die Erwartungen der Unternehmerinnen und Unternehmer mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit nicht erfüllen können. „Gesetze sollten unternehmerische Tätigkeit fördern und nicht behindern“, fordert Steinmetz. „Regional sollte außerdem auf niedrige Realsteuerhebesätze geachtet werden. Für unsere Industrieunternehmen und alle anderen Betriebe ist dies wesentlich.“

Insbesondere mit Blick auf die Herausforderungen im Klimaschutz ist es wichtig, dass den Industriebetrieben hinreichend Mittel für Umweltschutzinvestitionen zur Verfügung stehen.
„Amtliche Statistiken zeigen, dass ein Drittel der Industrieunternehmen am Mittleren Niederrhein bereits in Umweltschutzmaßnahmen investiert “, sagt Anna Kindsmüller, Referentin für Wirtschaftspolitik.
„Dieser Wert hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.“ In der Unternehmensbefragung der IHK wird das Wahrnehmen gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung als wichtigstes Hauptmotiv solcher Nachhaltigkeitsaktivitäten genannt. Deswegen sieht die IHK die Betriebe für die klimaschutzpolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre auf einem guten Weg. „Die amtlichen Zahlen und unsere Umfrageergebnisse bestätigen, dass die Industrie ihre Verantwortung ernst nimmt“, betont Steinmetz. „Wir halten es aber für unbedingt erforderlich, industrierelevante Entscheidungen in der Klimaschutzpolitik auch mit den Unternehmen gemeinsam zu beschließen. Das wünschen wir uns von der neuen Koalition.“

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